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IN MEMORIAM UMBERTO GANDINI Grazia Barbiero, ehemalige Landtagsabgeordnete des PCI und Autorin des Buches : Scenari in Movimento, das im Juni vom Verlag RAETIA herausgegeben wurde, erinnert sich an Umberto Gandini. |
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Umberto Gandini war eine wichtige Persönlichkeit für unser Land. Er war Journalist, Übersetzer, Schriftsteller, Germanist und ein geschätzter Intellektueller nicht nur in Südtirol, sondern auch in ganz Italien. Er hat, zum Beispiel alle literarischen Werke von Joseph Zoderer, dem Südtiroler Schriftsteller, ins Italienische übersetzt. 1985 übersetzte er das bekannteste Buch Zoderers „Die Walsche“ in “L’Italiana”, ein Werk, das von dem Verlagshaus Mondadori von Mailand veröffentlicht wurde.
Umberto Gandini, ein
aufmerksamer Beobachter aller sozialen, kulturellen und politischen
Ereignisse kommt aus Mailand, wo er am 25.Dezember 1935 geboren
wurde, nach Südtirol im Jahre 1961. Er zieht zunächst nach Meran und
dann nach Bozen. Er arbeitet zuerst für die Tageszeitung „Alto Adige“
und zehn Jahre nach Anfang seines Berufs als Journalist, beginnt er
mit seiner geschätzten Tätigkeit als literarischer Übersetzer. Er
übersetzt hauptsächlich aus dem Deutschen ins Italienische. 2001 wird er mit dem Preis Grinzane Cavour für Übersetzung ausgezeichnet. Umberto Gandini übersetzt mit anerkannter Kompetenz und Sensibilität auch große Autoren der deutschen Literatur, wie Friedrich Dürrenmatt mit dem berühmten „Der Minotaurus“ im Jahr 1987, und viele weitere, wie Walter Benjamin, Thomas Bernhard, Rainer Werner Fassbinder, Franz Kafka, Peter Handke und 2013 übersetzt er das bedeutsame Werk: „Die Wahlverwandschaften“ von Johann W. Goethe für den Verlag Feltrinelli in Mailand. Er leitete fast 20 Jahre lang die Kulturseite der Tageszeitung, für die er tätig war. Unvergessen bleibt sein Artikel von 1979 „Il monopolio non è finito“ (Das Monopol ist nicht zu Ende) mit dem er alle kulturellen Vereine der Stadt Bozen unterstützen wollte, die gemeinsam gegen den Abriss (der leider trotzdem stattfand), des im Jugendstil erbauten Gebäudes des Ex Monopols für Tabak von Bozen protestierten und sich wünschten, es möge ein sozial-kulturelles Haus werden. 2009 beginnt seine Tätigkeit als Romanschriftsteller. Seine zwei Romane: “Le indagini abusive di Marlov, investigatore precario“ von 2009 und “Come rubare un missile Cruiser e vivere felici” von 2011, werden zum Erfolg, dank ihrer besonderen, subtilen und ironischen Visionen. Umberto Gandini stirbt in Bozen am 19. März 2021, hochgeachtet und geehrt von unseren beiden Kulturwelten, der italienischen, so wie der deutschen. Er wurde 85 Jahre alt.
Grazia Barbiero |