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Die Feuerbestattung ist
eines von den ältesten und am weit verbreiteten
Trauerritualen in der Menschheitsgeschichte, so dass
die ersten Zeugnisse bis zur Jungsteinzeit
zurückgehen. Die Griechen und Etrusker betrachteten
sie als Akt der Reinigung und im alten Rom überwog
die Kremation lange Zeit über die Beerdigung, so
zelebrierten die Reichen und Mächtigen luxuriöse
Feuerbestattungen mit Scheiterhaufen aus wertvollen
Holzarten. Mit dem Einzug des Christentums wurde die
Einäscherung abgesetzt, weil sie als heidnisches
Ritual galt und auch der Islam schrieb die
Erdbestattung vor.
Nach der Französischen Revolution versuchten die
antiklerikalen Aufklärungsanhänger die
Feuerbestattung im Gegensatz zum kirchlichen Monopol
der Bestattungszeremonien zu verbreiten.
Die Verbreitung der industriellen Revolution
befürwortete wiederum ihre Wiedereinführung,
aufgrund der Hygiene sowie der mangelnden Kapazität
der traditionellen Friedhöfe. In unserer Zeit ist
die Kremation weltweit verbreitet, so auch in
Italien. Die tolerante Haltung der katholischen
Kirche und die Gesetzgebung zur Einäscherung und
seit kurzem auch die Möglichkeit zur Verstreuung der
Asche, haben dazu beigetragen, dass die Einäscherung
nicht mehr an eine bestimmte religiöse Einstellung
gebunden ist und aus einer freien und bewussten Wahl
hervorgeht.
Auf jeden Fall ist die Einäscherung in der
westlichen Welt ein nicht sehr altes Verfahren und
folglich hat sie noch kein spezifisches Ritual
aufzuweisen. Die orientalischen Rituale sind unserer
Kultur fremd, sie verbinden sich mit einer anderen
Religion und mit Werten, die uns fremd bleiben. In
Italien gibt es keine Form von laizistischen
Ritualen und noch weniger irgendwelche, die sich mit
dem Vorgang der Einäscherung befassen. Deshalb
passiert es manchmal, dass die Trauernden sich zum
Krematorium begeben und die traurige Erfahrung
machen, dass sie den toten Körper eines lieben
Menschen zurücklassen müssen, ohne ein Wort des
Trostes zu hören, ohne einen Augenblick Zeit zu
haben, wo sie ihrem Schmerz Ausdruck geben können
und so ohne die Möglichkeit dem Sinn von Leere, der
den Tod begleitet, entgegenwirken zu können.
Seit Jahren hat die SOCREM (Verein für die
Einäscherung von Turin bereits seit 1994) die
Notwendigkeit erkannt, den Hinterbliebenen eine
Zeremonie zu bieten, die mit der Ehrung des
Verstorbenen zugleich den Angehörigen hilft, den
traurigen Moment der Trennung von den Überresten
einer geliebten Person zu verkraften. Aus dieser
Notwendigkeit heraus entstand die Figur des
Trauerredners, der mit Takt und Empathie die
Familien der Verstorbenen kontaktiert, ihre Fragen
beantwortet, sich über ihre Wünsche informiert und
mit ihnen zusammen über die möglichen „Verfügungen
für die Abschiedsfeier oder über eine eventuelle
Verstreuung der Asche an einem bestimmten Ort“
spricht, sofern ein diesbezügliches
handgeschriebenes Testament vorliegt, das von dem
Verstorbenen verfasst wurde.
Der Trauerredner hilft also den trauernden Familien
die Bestattungszeremonie für ihre Verstorbenen zu
gestalten und sein Anliegen bei dieser Aufgabe ist
es, den Verwandten und Freunden des Verstorbenen ein
bisschen Erleichterung zu verschaffen, damit die
brüderliche Solidarität der Lebenden vermittelt
werden kann, dass der Tod den Sinn einer Existenz
nicht auslöschen wird.
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