Die Asche des Verstorbenen in einen Diamanten verwandeln

von Enrico Farina

Die Asche unseres lieben Verstorbenen in einen Diamanten umwandeln… in einen wirklichen Diamanten, den wir in einem Ring am Finger, oder als Anhänger an der Halskette tragen können… Die Rede von dieser erstaunlichen Möglichkeit ist nicht mehr so neu wie sie klingt. In Italien spricht man davon seit wenigen Jahren, aber im Ausland und vor allem in der Schweiz (wo man sich diese Möglichkeit vor 10 Jahren ausgedacht hat) weckt diese Idee immer größeres Interesse.

Um was handelt es sich dabei?

Aus der Asche eines menschlichen Körpers (oder eines Haustieres) wird Kohlenstoff mit Hilfe eines chemischen Prozesses extrahiert und dann in Graphit umgewandelt. Beim nächsten und letzten Schritt wird diese Substanz unter enorm hohem Druck und bei sehr hohen Temperaturen in einen kleinen Diamanten verwandelt. Dafür benötigt man einen eher langen Zeitraum zwischen 6 und 12 Monaten.

Dies ist in einfachen Worten ausgedrückt, ohne weiter auf die komplexe Technologie (HPHT) einzugehen, die von dem Schweizer Rinaldo Willy ausgeklügelt wurde. Also, zusammenfassend „die Umwandlung in einen Diamanten“ des geliebten Anverwandten, gesehen als einen Akt der Liebe.

Zu beachten sind die nicht unerheblichen Kosten, die sich nicht alle leisten können, man muss mit einem Minimum von 4.000 bis 30.000 Euro rechnen, was dann auch noch variieren kann, je nach Karaten, der Farbe und des Schliffes und eventuellen kleinen Inschriften, die mit dem Laser eingraviert werden.

In Chur in der Schweiz befindet sich das am meisten bekannte Unternehmen, das sich seit vielen Jahren mit diesen Umwandlungen befasst, dorthin werden die Urnen mit der Asche geliefert, die umgewandelt werden soll. 

Eine erste Überlegung, wenn man diese Nachricht liest, ist die Frage: ist in Italien diese Prozedur erlaubt? Ist sie legal? In Italien ist sie verboten. Das heißt, genau genommen, dass die Umwandlung der Asche verboten ist, aber seit 2009 ist es nicht gesetzlich verboten, sich an Unternehmen zu wenden, die im Ausland tätig sind. Also genügt es die italienische Grenze zu überschreiten und einen Totenschein bei sich zu haben. Und nach der ausgeführten Umwandlung kann man das „Schmuckstück“

wieder heimholen. Allerdings bleibt man immer an die Verzollung von importierten Wertsachen gebunden. Somit heißt es, sich informieren und erst danach entscheiden. Hm, alles sehr einfach…

Und was ist mit dem ethischen und moralischen Aspekt dieser Angelegenheit?

Da kann man diese Prozedur auch unter einem anderen Aspekt sehen.

Vor einiger Zeit hatte der Senator Carlo Giovanardi der Ex Area Popolare eine Abänderung des Gesetzesentwurfs zur Sanitätsverordnung vorgeschlagen, um den Artikel 411 des Strafrechtes (der die Leichenschändung betrifft) zu erweitern und diesen Export der Asche eines Verstorbenen zu verbieten. Das Strafrecht sieht für Leichenschändung zwei bis sieben Jahre Haft vor. Diese Abänderung wurde aber nicht vorgenommen. Allerdings bleiben viele Zweifel und eine gewisse Perplexität zurück.

Abgesehen von den bürokratischen Modalitäten, hohen Kosten und so weiter, bleibt die Grundfrage, ob das alles überhaupt sinnvoll ist. Ist das wahre Liebe? Am Hals oder als Einfassung am Ring oder als Ohrring einen kleinen Diamanten zu tragen, der aus der Asche eines geliebten Verstorbenen durch eine hoch entwickelte Technologie gewonnen wurde?

Vielleicht mag das für einige so sein, aber für die große Mehrheit der Bevölkerung handelt es sich zweifellos um ein Surrogat der Liebe, eine kalte und unsinnige zur Schaustellung und um eine Verleugnung der Realität, der Realität des Todes eines geliebten Menschen; eine Realität, mit der man sich früher oder später ganz bewusst auseinandersetzen muss.

Eine komplizierte Erfindung, die mit den Gefühlen des Anderen spielt, eine Erfindung, die den Anschein vermittelt, es gäbe noch einen physischen Kontakt mit dem geliebten Menschen.

In der Werbung dieses Verfahrens, das auch von diversen Bestattungsinstituten unterstützt wird, erkennt man die verdeckte, schlüpfrige psychologische Botschaft in der eine ständige Präsenz des geliebten Menschen suggeriert wird und so die schönen Erinnerungen an den einst Lebenden genährt werden. Es handelt sich hier um eine Frage der Sensibilität und der emotionalen Wahrnehmungen, die der großen Sphäre der ethischen und moralischen Auffassungen angehören und es hat auch keinen Sinn sie a priori zu verurteilen. Es sind Auffassungen, die diskutiert und vertieft werden können.

Ein Zweifel kommt allerdings auf. Heute wird die Asche in einen Diamanten umgewandelt und morgen, wer weiß in was noch?

Vielleicht gibt es dann den schlauen Unternehmer, der das Surrogat des Parfums erfindet und vertrauend auf die Leichtgläubigkeit von naiven und beeinflussbaren Personen irgendein Destillat anbietet, das mit hochtechnisierten Mitteln aus irgendeinem Teil des menschlichen Körpers gewonnen wird, damit mit einem bleibenden Duft die Erinnerung an die einstige Liebe für immer wach bleiben kann.