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Der große
Schmerz
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Gruß des Präsidenten der Socrem |
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Hiermit möchte ich den Sinn und Nutzen des Vereins erläutern, dessen Vorstand ich im Bereich der komplexen Galaxien repräsentiere, die das Thema Lebensende behandeln. Der Südtiroler Verein für die Einäscherung ist apolitisch und alle italienischen Staatsbürger ohne Unterschied von Geschlecht, sprachlicher Zugehörigkeit, Rasse oder religiöser Überzeugung können Mitglieder werden. Es ist ein gemeinnütziger Verein dessen Ziel es ist, die Kultur und den Ritus der Einäscherung zu verbreiten und seinen Mitgliedern die praktische Durchführung zu gewährleisten. Die Socrem von Bozen wurde 1993 von einer Gruppe Freiwilliger gegründet und hat in der Südtiroler Bevölkerung die Einäscherung bekannt gemacht. Vorher war diese Praktik hierzulande nahezu unbekannt. Unsere Gründungsmitglieder haben an erster Stelle immer die Freiheit der Wahl im Auge behalten, die sich auch darin ausdrückt, dass jeder von uns das Recht besitzt, über die Form seiner sterblichen Überreste zu bestimmen. Folglich ist die Einäscherung eine klare Wahl und keine Fremdbestimmung oder ein billiges Mittel der Bestattung. Die Einschreibung bei der Socrem ist der präzise Akt, womit der Bürger autonom seinen eigenen Willen bezeugt, ohne diese so heiklen persönlichen Entscheidungen jemand anderem aufzubürden. Ein sekundärer Effekt der Einäscherung ist die Raumeinsparung in unseren Friedhöfen, die auch zu einer wirtschaftlichen Einsparung für den Einzelnen, wie für die Gemeindeverwaltung führt. Aber das ist, wie gesagt, ein sekundärer Effekt, der nie über die Wahlfreiheit des Menschen, dessen Würde immer schon die Triebfeder der Einäscherungskultur gewesen ist, die Oberhand gewinnen darf. Für uns zählt, dass die Einäscherung im Bewusstsein des modernen Menschen zu einer tieferen Reflexion über die Existenz, ihre Bedeutung und ihren Gehalt führt. Wer sich verweigert mit der, sagen wir, letzten Bilanz auseinanderzusetzen, verpasst eine Gelegenheit, seinem Leben Tiefe und Essenz zu verleihen. Respekt und Würdigung der menschlichen Überreste bewegen uns im Ritual der Verabschiedung und so entstand ein Ritual, das seit einem Jahrzehnt gefeiert wird, um die intimsten Gefühle der Verwandten zu würdigen, unabhängig von der eventuellen bereits stattgefundenen religiösen Aussegnung. “Die Zeremonie der Verabschiedung füllt die Leere, vermeidet das Flüchtige, schafft neue Räume für die, in unserer Kultur tief gefühlten und immer lebendigen Werte. Emotional intensiv, voller Wärme und Solidarität zielt dieses Ritual danach den Verstorbenen zu würdigen und der Familie die Möglichkeit zu geben, die menschlichen Qualitäten des Verblichenen und seine Lebenswerte in Erinnerung zu rufen“. Unsere, in all diesen Jahren, gereifte Erfahrung gestattet uns den Großteil der Nuancen des Lebensendes zu erfassen. Das biologische Testament, die Sterbebegleitung, die Trauerverarbeitung, die bürokratischen Obliegenheiten, die Verbindung mit den öffentlichen Ämtern für Sozialhilfe und mit den Dienstleistungen der Freiwilligenvereine. Jeder Bürger, der sich an uns wendet, erhält alle Informationen, die er benötigt, um diese Probleme zu meistern und sich leicht in dieser komplexen Situation zurecht zu finden. Wir sind die Hüter eines historischen und umfassenden Gedenkens des Universums bezüglich des Lebensendes. Wir möchten dies zur Verfügung unserer Mitbürger stellen, weil nur eine klare Bewusstwerdung unseres endlichen menschlichen Schicksals den Verlust und die Trostlosigkeit des Schmerzes überwinden kann. |
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