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Kann man den Verlustschmerz überwinden? von Paola M. Taufer Psychologin und
Psychotherapeutin |
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Der Verlust eines lieben Menschen ist eine Erfahrung, die eine Reihe negativer Empfindungen, wie Trauer, Schmerz und das Gefühl der Leere in uns auslösen. Einen Trauerfall erleben, bedeutet sich mit einer Trennung abzufinden, die das Leben einer Person aufwühlt und zutiefst verändert. Wir sind uns bewusst, dass der Tod zum Leben gehört und für uns alle einen unausweichlichen Prozess darstellt, doch obgleich wir es mit der Vernunft akzeptieren, können wir es nicht wirklich verarbeiten und zutiefst begreifen, Die Trauer gehört zu den Erfahrungen, die sich schwer verarbeiten lassen und bedeutet einen Prozess, dessen Verlauf individuell verschieden ist. Die Verarbeitung der Trauer will heißen, dass man fähig ist, wieder nach vorne zu schauen, mit Anderen seine Empfindungen auszutauschen und sein eigenes Gefühlsleben wieder in den Griff zu bekommen. Es bedeutet die Trennung und das Leben danach zu akzeptieren, und den Trennungsschmerz loszulassen. Im Mittelalter gab es feste Bräuche und Rituale im Zusammenhang mit dem Tod eines Angehörigen; so z.B. wurde beim Tod eines Ehepartners eine Trauerzeit von 18 Monaten eingehalten, davon war das erste Jahr Volltrauer, dann vier Monate lang gab es Halbtrauer und zwei Monate leichte Trauer. Für die Eltern galt ein Jahr Trauer (6 Monate Volltrauer und 6 Monate Halbtrauer), für den Tod eines Kindes wurden ein bis zwei Jahre, je nach Todesart, Trauer verordnet. Heutzutage wird der Verlust eines Angehörigen oft von der Verneinung des Schmerzes gezeichnet und das bedeutet vielfach, dass man unbewusst in den Abgrund der pathologischen Trauer fällt. Eine Trauer wird pathologisch, wenn die Emotionen verneint oder verdrängt werden und es kommt zu Symptomen wie Apathie, Freudlosigkeit, totale Gleichgültigkeit und Gefühlskälte, sogar ein Absinken der Schmerzschwelle. Viele Menschen sind versucht die problematischen und schmerzlichen Emotionen in eine Schublade zu stecken, aber damit riskieren sie die Gegenwirkung und der Trennungsstress sowie die Trauer werden nicht aufgearbeitet und versanden. Die komplexe Trauer entsteht, wenn man den Verlust gefühlsmäßig nicht akzeptiert; damit wird die Verarbeitung unterbrochen oder kristallisiert sich und das Gefühlsleben friert ein. In diesen Fällen ist es hilfreich, dass man den zuständigen psychologischen Dienst in Anspruch nimmt, wenn man Jahre des Leidens für sich, aber zugleich auch für die nahestehenden Personen, die nicht wissen wie sie helfen könnten, vermeiden will. |
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Meistens braucht es dazu keine langfristige psychologische Betreuung, aber die professionelle Hilfe kann in einer Phase der Verzweiflung und Angst vor der Neuorganisierung eines Lebens hilfreich sein, um wie Bowlby sagte, die akuten Aspekte des Leids zu reduzieren und der betroffenen Person helfen, ihre eigene Existenz wieder aufzubauen. An diesem Punkt wird an die verstorbene Person mit einem Gefühl der Freude, und der Trauer zugleich gedacht und ihr Bild wird verinnerlicht. Die Erinnerung an unsere Lieben wird immer bleiben, aber wir werden gelernt haben, die Trennung zu akzeptieren und zu unserem eigenen Leben zurück zu kehren, und das vielleicht sogar mit einem neuen Blick auf die Anderen |
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