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Allegato alla rivista "Confini" n. 1/2001

Anno 1 - Nr. 1

 

LEITARTIKEL

 

Liebe Mitglieder, schon lange hatten wir es versprochen; heuer ist es soweit und wir sind endlich in der Lage, Ihnen die erste Nummer unserer Zeitung vorzustellen. "i SOCREM", so haben wir sie benannt, soll "L’ARA" ersetzen, die schon seit längerem nicht mehr erscheint. Der italienische Dachverband der Feuerbestattung ist in den letzten Jahren einer wesentlichen Wandlung unterzogen worden. Von einem zentralistischen Leitungsstil, wo die meisten Initiativen von der nationalen Direktion ausgingen, ist man zu einem eher horizontalen übergegangen. Somit ist eine verstärkte Beteiligung aller verbündeten SOCREM-Vereine gefordert. Diese Ausrichtung für eine lebhaftere, gemeinschaftliche Teilnahme hat unter anderem funktionelle Probleme mit sich gebracht, die nach einer Übergangs- und Einlaufzeit schließ1ich in eine Regelungsphase gemündet sind, Auch Bozen hat zu dieser Veränderung, wie auch zur Neugestaltung des Informationswesens der Zeitung beigetragen. Nach diesen wichtigen Schritten, obliegt uns nun die Aufgabe, den Beweis zu erbringen, dass wir die neue und erweiterte Unabhängigkeit nutzen können. Vorerst ist eine jährliche Ausgabe vorgesehen, in der Folge kann diese eventuell auch halbjährlich erfolgen, je nach erwecktem Interesse, Die meisten SOCREM-Vereine im ganzen Land veröffentlichen regionale oder provinziale Zeitungen. Bei der letzten Vorstandssitzung des Dachverbandes wurde beschlossen, jährlich eine Sammlung der besten erschienenen Artikel herauszugeben und sie allen Mitgliedern kostenlos zu übersenden, um einen lückenfreien und allgemeinen Überb1ick zur Entwicklung der Feuerbestattung und der damit verbundenen Probleme auf dem italienischen Gebiet zu gestatten. Die rnultiethnische Zusammenstellung unseres Landes regt uns an, den Beitrag österreichischer und deutscher Vereine anzufordern, um den Themenkreis Feuerbestattung in erweitertem Sinne zu vertiefen, In der Zeitung sollen auch die Leser ihren Platz bekommen, um Fragen aufzuwerfen und zu unterbreiten. Sie können unmittelbar an unsere Adresse geschickt werden, damit sie in der darauffolgenden Nummer, im Rahmen des Möglichen, beantwortet werden können. Das ist die Arbeit, die wir bislang verwirklichen konnten; sie ist bestimmt nicht vollkommen, aber zukünftige Besserungen sind gewiss, In der Hoffnung, dass unsere erste Nummer eher auf Zustimmung denn Kritik stoßen wird, bleibt uns nichts anderes übrig als Ihnen eine angenehme Lektüre zu wünschen.

Der Präsident Dr. Enrico Farina

DIE FEUERBESTATTUNG KENNEN

Die Einäscherung ist ein uralter Brauch, der in der Vergangenheit in verschiedenen Teilen der Welt von mehreren Völkern praktiziert wurde; in Asien, in Amerika (bereits in vorkolumbianischer Epoche) und in unserem eigenen Kontinent von den keltischen, skandinavischen und slawischen Volkern. Auch unter den Zivilisationen um das Mittelmeer fand sie weitgehend Anklang; Griechen und Etrusker schätzten sie als sehr edlen Ritus, der den berühmten Persönlichkeiten vorbehalten war und als Akt der Läuterung und Befreiung des Geistes galt. In der römischen Antike war die Einäscherung Vorrecht des Adels; nur Wohlhabende konnten sich die prunkhafte Trauerfeier und die Scheiterhaufen balsamgetränkter, edler Hölzer leisten. Das Christentum respektierte zwar die Einäscherung, aber übernahm sie nicht. Christus hinterließ keine Vorschriften bezüglich der Leichenbestattung. Es gibt demzufolge keine Glaubenseinwände gegen die Feuerbestattung. Die Christen wurden erd- oder feuerbestattet je nach vorherrschender Sitte des Landes. In Rom sind in den Katakomben christliche Aschenurnen aufgefunden worden. Das Christentum des Ursprungs war allerdings von einer Empfindung für Demut und Gleichstellung beseelt und vermied bei der Trauerfeier den Pomp, der die Einäscherung kennzeichnete, sodass kein Unterschied zwischen arm und reich bestünde. Bald wurde die Erdbestattung infolge der geringeren Kosten vorrangig. Der Islam setzte seinerseits in allen Ländern, wo er sich ausbreitete, die Erdbestattung durch. Um die Jahrtausendwende verschwand die Feuerbestattung aus den Mittelmeerländern vollends. In der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts, bot sich die Feuerbestattung im Zuge der Industrialisierung und der Landflucht als Lösung für die Unzulänglichkeit der Friedhofe an. Eine Vielzahl von Exponenten aus Kultur, Wissenschaft, Politik, Hygiene und öffentlicher Verwaltung forderten unter dem Einfluss des Positivismus den Gedanken der Einäscherung und unterstrichen deren umweltbezogene Zweckmäßigkeit. Die Zeiten waren reif und es wurden die ersten Öfen errichtet. Seither hat sich die Einäscherung durch das XX. Jahrhundert im ganzen industrialisierten Westen behaupten können. Heutzutage wird die Feuerbestattung in der ganzen Welt als freier und rationeller Entschluss praktiziert, um die Würde des Verstorbenen zu wahren, dem unbarmherzigen Zerfall des Körpers zu vermeiden und die hygiene- und umweltbedingten Erfordernisse der modernen Gesellschaft zu berücksichtigen. In allen Kontinenten entscheiden sich Millionen von Menschen für die Feuerbestattung, da sie als eine Form der Zivilisation, eine Entscheidung für Fortschritt und Freiheit gilt.

FEUERBESTATTUNG UND GLAUBE

Religiöse Vorurteile gegen die Einäscherung gibt es zu Beginn des dritten Jahrtausends nicht mehr. Sie widerspricht weder der Überzeugung über die Unsterblichkeit der Seele, noch der Auffassung über die Heiligkeit des menschlichen Körpers, noch der Lehre über die Wiederauferstehung. Heutzutage ist die Einäscherung von der katholischen Kirche erlaubt. Die Trauerfeier kann sogar innerhalb des Krematoriums stattfinden. Zeugen Jehovas, Waldenser und Evangeliker stimmen der Feuerbestattung seit jeher zu. Zahlreiche Angehörige der jüdischen Gemeinschaften entscheiden sich aus Familientradition für diesen uralten Ritus.

GUTE GRÜNDE FÜR DIE FEUERBESTATTUNG

Die Feuerbestattung ist gleichzeitig ein alter und ein zeitgemäßer Brauch, denn sie stellt eine effiziente Lösung aller raumplanerischen und hygienischen Probleme dar. Es handelt sich um einen universellen Ritus, für alle denselben, der unserem Körper den trostlosen Zerfall erspart; eine rationelle, umweltbewusste Entscheidung, die das Leben schont, ohne Platz- und Ressourcenentzug, ohne Erd-, Wasser- und Luftbelastung. Die Feuerbestattung ermöglicht eine freie, vernünftige Entscheidung über sich selbst, unter Berücksichtigung des Glaubens. Die Einäscherung vorziehen, bedeutet einem jeden das Recht einräumen, über die Endbestimmung des eigenen Körpers zu entscheiden, frei und fortschrittlich. Mitglieder haben die Gewissheit, dass ihrem Willen Folge geleistet, ihren Verfügungen nachgekommen und die Stätte ihrer ewigen Ruhe sorgsam behütet wird. Durch die Mitgliedschaft wird jede weitere Bürokratie vermieden. Die Zustimmung der Angehörigen, die nicht immer einig oder willig sind, erübrigt sich. Der Wille der Mitglieder steht unter rechtlichem Schutz und gewahrt eine würdige Abschiedsfeier. Der Mitgliederausweis, der bei der Einschreibung ausgehändigt wird, gilt als Willensbezeugung, in Italien als auch im Ausland. Findet das Ableben auf italienischem Gebiet statt, müssen sich die Beauftragten der Bestattung, die den Willen des Verstorbenen kennen, die zuständige Behörde der Gemeinde, wo der Todesfall stattgefunden hat und gleichzeitig den Einäscherungsverein benachrichtigen, um den Einäscherungsvorgang in die Wege zu leiten. Die Einäscherung erfolgt von Amts wegen im Falle von unterlassener Einäscherungsanfrage und geht im Falle von Einspruch der Erben gerichtlich vor. Sollte der Todesfall im Ausland vorkommen, kann die Einäscherung vor Ort erfolgen und die Asche kann darauffolgend zu Lasten der Familie zurückgeführt werden. Da im Ausland die Einäscherung bezahlt werden muss, können die Angehörigen von Fall zu Fall erwagen, ob die Rückkehr der Asche oder des Sarges und nachfolgender, hiesiger Einäscherung vorzuziehen ist. Mitglieder, die in eine andere Gemeinde umziehen, müssen der SOCREM die Adressenänderung mit- teilen oder den Übergang zu einer anderen, näher liegende SOCREM anfordern.

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